Israel und die Araber - Krieg und Friede

 


Israel und die Araber - Krieg und Friede

  Gedanken über die Jahre 1947-1957

 

(Aus der Zeitschrift Ot, Heft 1, September 1966, S. 5-10, Tel-Aviv, Hebräisch.)

 

Der Artikel ist die Mitschrift einer Rede, die Sharett Ende Oktober 1957 in Bet Berl, einer Bildungsstätte der Arbeiterbewegung, bei einer Veranstaltung der Mapai-Partei in Tel Aviv hält. Zu diesem Zeitpunkt bekleidet er kein offizielles Amt mehr, ist aber weiterhin Parteimitglied und Abgeordneter der Knesset. Den Hintergrund seiner Äußerungen bilden die Ereignisse des Sinai-Feldzuges und die bereits in den jahren zuvor eskalierenden Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarn.

 

Dabei ist sich Sharett darüber im Klaren, dass er sich am Ende seiner langjährigen politischen Laufbahn befindet. Daher äußert er sich zur Situation in Form einer rückblickenden Zusammenfassung. Vor diesem Hintergrundl ist das hier Ausgeführte von zentraler Bedeutung für die vorliegende Studie, deren Gegenstand ja Auffassung und Haltung Sharetts zur arabischen Welt ist. Denn Sharett skizziert seine Überlegungen zur Geschichte des Zionismus und der Beziehungen Israels zu den arabischen Nachbarstaaten frei von politisch-pragmatischen Erwägungen.

 

Im Folgenden wird diese Rede erstmals in deutscher Sprache wiedergegeben.

 

Ich möchte diese Rede dem Problem der israelischen Außenpolitik widmen: dler Beziehung zwischen uns undl der uns umgebenden arabischen Welt.

 

Es existierte schon lange vor der Gründüng Israels. Es existiert in der Tat, seit wir uns entschlossen haben, in dieses Land zurück-zükehren und uns hier niederzulassen.

 

Ich behaupte nicht, dass die zionistische Bewegung dieses Problem völlig ignoriert hat. Doch es lässt sich - denke ich - mit Sicherheit sagen, Dass dem Volk in Zion, der gesamten zionistischen Bewegung, den Massen jüdischer Einwanderer und sich in diesem Lande Niederlassenden an Verständnis für dieses Problem mit allen seinen Komplikationen und Schwierigkeiten mangelte.

 

Ich beabsichtige hier nicht, irgendjemandem Vorwürfe zu machen. Ich möchte auf einen seelischen Zustand hinweisen, einen Zustand, der Ursachen undl auch bestimmte Konsequenzen zur Folge hat.

 

 Ich habe bereits erwähnt, dass die zionistische Bewegung sich über diese Angelegenheit Gedanken gemacht hat. Von Zeit zu Zeit wurden unterschiedliche Lösungen vorgeschlagen oder Pläne entworfen, diese Problematik zu überwinden, einen modus vivendi zwischen uns und der arabischen Welt herbeizuführen. All diesen Versuchen - trotz weitgehend kühnen Denkens - fehlte hinreichendes Verständnis für die psychologische Seite dieses Problems. Wir waren von unserer historischen Mission viel zu überzeugt, um sehen zu können, dass deren Gerechtigkeit, aus Sicht des anderen, relativ ist. Ferner war bei uns das psychologische Verständnis dieses Problems nicht vorhanden: Wir haben uns nämlich unzureichend Gedtanken über das Bewusstsein und das nationale Gefühl der arabischen Welt gemacht.

 

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